Rundfahrt durch den Truppenübungsplatz Grafenwöhr

 


Äußerst interessant und informativ war die Besichtigungstour durch den seit 1907 bestehenden Truppenübungsplatz, der sich in einem Ausmaß zeigte, wie man es sich unbesehen kaum vorstellen kann. Unter fachkundiger Führung erfuhren wir von der Entstehung, Entwicklung und den heutigen Aktivitäten dieses Standortes. Obwohl die militärische Nutzung an allen Standorten Vorrang hat, ist der verantwortungsvolle Umgang mit den natürlichen Ressourcen ein wesentlicher Teil des militärischen Auftrages. Es wurde uns das Umweltprogramm der Garnison vorgestellt, das die Vorgaben für Schutz von Boden, Luft und Wasser erfüllt, was wir von einem Truppen-Übungsplatz nicht erwartet hatten.
Der Truppenübungsplatz, der mit einer Größe von ca. 230 km2 (O-W 25 km; N-S 14 km ) im Oberpfälzer Hügelland liegt, bietet vielfältige Landschaftstypen und man bekam bei der Rundfahrt einen kleinen Einblick auf Grünland, Jurafelsen, Heiden, Feuchtgebiete, Moore, Wälder und Gewässer. Damit sind eine Vielzahl von Lebensräumen für seltene und gefährdete Pflanzen- und Tierarten gegeben. In Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden und dem Bundesforst werden ständig Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Arten- und Biotopschutz getroffen.
Bei schönstem Herbstwetter wurden uns heute viele Eindrücke von einer kleinen fremden Welt vermittelt.

 


Geschichte des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr (Auszug aus Wikipedia)

 

Das Königreich Bayern ließ in dem dünn besiedelten waldreichen Gebiet in der nördlichen Oberpfalz von 1907 bis 1910 einen Schießplatz für das III. Korps der Armee einrichten. Dazu mussten rund 230 Menschen ihre Heimat verlassen. Folgende Ortschaften wurden aufgelöst und abgesiedelt: Annahütte, Erzhäusl, Flügelsburg, Grünhund, Grünhunder Schmierhütte, Hirschmühle, Schwarzenhäusl, Wolfslegel und Ziegelhütte.

Von 1914 bis 1918 bestand auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes das Kriegsgefangenenlager Grafenwöhr.

Nachdem das NSDAP-Regime ab 1935 die Aufrüstung der Wehrmacht vorangetrieben hatte, wurde das Gebiet 1936 bis 1938 stark erweitert und die „Reichsumsiedlungsgesellschaft RUGES“ gegründet. Es gibt einen Amateurfilm über die Umsiedlung: „Das vergessene Land“ von Peter Ponnath (Telefilm, Fürth). Für die Menschen war die Aufgabe ihrer angestammten Heimat sehr schwer. Viele wurden in Wolfskofen/Mintraching bei Regensburg in einer bäuerlichen Mustersiedlung untergebracht. Dort entstand, um die Menschen zu beruhigen, der wohl einzige katholische Kirchenbau, den die Nationalsozialisten bezahlten. In dieser Kirche befinden sich die Altäre und das Marien-Gnadenbild (das Original kam im Dreißigjährigen Krieg in das Strahov-Kloster nach Prag) der Kirche von Pappenberg. Die nachfolgenden Orte sind durch die Erweiterung des Geländes durch die Nationalsozialisten erloschen:

Altenweiher, Altneuhaus, Baumühle, Beilenstein, Bergfried, Bernhof, Bernreuth, Betzlhof, Boden im Thal, Braunershof, Dorfgänlas, Dörnlasmühle, Dornbach, Ebersberg, Eibenstock, Erlbach, Fenkenhof, Fronhof, Grünwald, Haag, Hammergänlas, Hebersreuth, Hellziechen, Hermannshof, Hirschmühle, Höhenberg, Hopfenohe, Kaundorf, Kittenberg, Kotzmanns, Kühberg, Kumpf, Langenbruck, Leuzenhof, Luisenhof/Hub, Meilendorf, Netzaberg, Netzart im Thal, Nunkas, Oberfrankenohe, Pappenberg, Pinzig, Pommershof, Portenreuth, Römersbühl, Sommerhau, Schindlhof, Schloßfrankenohe, Schwarzenhäusl, Stegenthumbach, Unterfrankenohe, Walpershof, Weihern, Wirlhof, Wolframs, Zeltenreuth, Zissenhof.

 Insgesamt wurden 780 Familien (mehr als 3500 Personen) umgesiedelt. Die Ortschaften wurden zerstört und abgetragen, einige wenige Reste stehen heute noch als Geisterstädte, zum Beispiel die Ruinen der Kirchen Hopfenohe und Pappenberg. Für militärische Übungen im Häuserkampf wurden spezielle neue Ortschaften aufgebaut.

 Während des Zweiten Weltkrieges wurden etwa 300 sowjetische Kriegsgefangene in Arbeitskommandos zur Zwangsarbeit eingesetzt. Dabei wurden durch die Gestapo bei sogenannten „Überprüfungen“ Juden, Kommissare und „Hetzer“ ausgesondert und zur „Sonderbehandlung“ dem KZ Flossenbürg überstellt, wo sie erschossen wurden. Das geschah beispielsweise am 25. August 1941 mit 41 dieser Kriegsgefangenen. Viele weitere Sowjetbürger kamen durch Krankheit und Hunger ums Leben. Ein Offizier wurde wegen Befehlsverweigerung erschossen. 32 von ihnen sind seit 1987 auf dem Friedhof von Auerbach in der Oberpfalz begraben.[5]

 


Broschüre über das Umweltmanagement des Truppenübungsplatzes zum Herunterladen

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