Wandern im Chodenland

Zum ersten Mal seit vielen Jahren ist die Sektion Amberg des Bay. Waldvereins zu einer Tageswanderung in unser Nachbarland Tschechien aufgebrochen. Am Grenzübergang Höll bei Waldmünchen fuhren wir hinein ins sogenannte Chodenland, ein Streifen von ca. 40 km Länge und 15 km Tiefe. Die Choden waren im 14 Jhd. Grenzwächter mit der Aufgabe, die Grenze zu Bayern vor Holzdiebstahl, Grenzsteinversetzungen und illegaler Besiedelung zu schützen. Start unserer Wanderung war Klenci pod Cerchovem. Bei der Kirche stellten wir unsere PKWs ab und schon kam die erste Herausforderung. Um aus dem Ort zu kommen, der am Osthang des 1042 m hohen Cerchov liegt, hatten wir einen steilen Anstieg zu bewältigen. Ab Ortsende gings zwar weiter aufwärts, aber auf sehr bequemen und angenehmen Steigen mit vielen Ruhebänken und Infotafeln, leider in tschechisch. Nach einer Stunde Wanderzeit erreichten wir den ersten Höhepunkt, nämlich das 1933 errichtete Denkmal für den Priester und Schriftsteller Jindrich Simon Baar (*1869 +1925). Von hier aus hatten wir einen wunderbaren Ausblick über das Chodenland bis hinüber nach Domazlice. Der Ort an dem das Denkmal steht, heißt auf deutsch „Ausblick“. Genau der richtige Name. Mit 700 m über NN war das auch schon der höchste Punkt unserer Wanderung. Von nun an gings erstmals bergab. Aber dann kam die zweite Hürde. Plötzlich versperrte uns ein kleiner Canyon, der Cernypotok (deutsch: Schwarzer Bach), den Weg. Es gibt keinen Steg, also mussten wir wohl oder übel ca. 50 cm hinunterspringen, wackelige Steine erwischen, drüber balancieren und dann die fast senkrechte Böschung wieder hinauf. Glücklich der, der dabei keine nassen Füße bekam. Ab hier gings dann wieder „normal“ weiter. Nächste Ortschaft nach der zweiten Wanderstunde war Pec (deutsch Hochofen) mit seiner "leider verschlossenen" Holzfällerkapelle. Nach einer weiteren Stunde erreichten wir unser Mittagsziel Babylon. In früherer Zeit ein Ferien- und Freizeitort. Ist er zwar heute noch, hat aber an Attraktivität verloren. Hier war dann Rast und Stärkung angesagt. Wir Waldvereinler können auch vornehm. Wir kehrten in einem Hotelrestaurant ein. Schön wars, gut wars und preiswert auch. Nach der Ruhepause gings gestärkt durch den Ort, vorbei an ehemaligen, oder immer noch, Ferienhäusern und an den Babylonskyrybnik, den Babylon See, eine Naturbadeanstalt. Dann gings wieder hinaus in die Natur, mit Blick zum Cerchov mit seinen zwei Türmen, nach Pila und weiter nach Trhanov, zu deutsch Chodenschloss. An diesem Schloss gingen wir ebenfalls vorbei. Ohne dass man es merkte, waren wir dann schon in Chodov. Zwangsweise mussten wir in den zwei Orten auf Gehwegen und dann die letzten zwei km zu unserem Ausgangspunkt Klency auf einer leider geteerten schmalen Straße gehen. Hier war überhaupt kein Verkehr, so dass wir nochmals die schöne Aussicht ins Chodenland genießen konnten.18 km sind wir durch tiefe Wälder mit freien Aussichtspunkten gewandert. Außer dem Anstieg am Anfang und der „Flussüberquerung“ war es ein angenehmes Wandern. Schön wars wieder!  (GS)